26 September, 2007

(4) tarjeta postal




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_bis auf weiteres

(3) tarjeta postal

Fiesta auf Spanisch,
Samstagabend mit dem neuen
Mitbewohner. Man geht hier spät aus.
Spät heißt gegen 2 Uhr,
da ist es noch nicht richtig voll
auf der Tanzfläche.
Freunde holen uns ab,
zur Begrüßung zwei Küsschen
und ein Blick:
bist du aber hübsch heute!

Ein Männerabend.
An der Bar gibt es Alkohol,
auf der Tanzfläche alles andere.
Housemusik und eine Schlange Männer
vor der Damentoilette.
Samstag ist Gaynight.
Aus den Kabinen kommen
stets Pärchen. Vier oder
sechs Nasenlöcher.
Jeder flirtet mit jedem,
zwei Küsschen und ein Griff
an den Hintern.

Athletische Körper, später oben ohne,
durchtrainiert, verschwitzt,
epiliert. Mit verliebtem Grinsen.
Auf zwei Sockeln tanzt Michelangelos
David im Tanga (ausschließlich),
später, muskulöser, mit Handschuhen
und Lederhöschen (aber dies sei
eher eine deutsche Mode).

Irgendwann ist es fünf, dann sechs.
Sieben. Ich werde müder, setze mich,
werde angemacht. Auch die Freunde
scheinen müder. Die Tanzfläche wird
etwas leerer und alle rennen ständig
zur Toilette, um sich wach zu halten.

Als ich gehe noch kein Tageslicht.
Gut so. Der Samstag endet um acht,
der Sonntag beginnt um drei.
Und mein Mitbewohner geht gleich
weiter zur nächsten fiesta.

_bis auf weiteres
Denníz

(2) tarjeta postal

Eine Stadt geteilt in Tag und Nacht
Man steht vor geschlossenen Läden:
tags der Bars, Nachtcafés, Clubs,
abends der Modeboutiquen, Zeitungsläden,
spätnachts von Kinos oder Theatern.
Frühmorgens ist Madrid ein Sonntag in München.
Sonntage gibt es dafür nicht.
Kleine Läden, fest in asiatischer Hand,
oft ohne Ladenschlusszeiten.
Für alle anderen beginnen die Tage spät,
pausieren eine Siesta lang am Nachmittag,
um nach Mitternacht ruhiger zu werden.
Ausgenommen die Wochenenden (ab Donnerstag).

Jetzt eine Woche hier.
Ich habe bereits gefunden:
ein Kino Traumstern (Lich),
eine Jazzbar Caveau des Oubliettes (Paris)
ein Negativeland (Berlin),
die Maximiliansstr. (München),
außerdem Cafés, Buchhandlungen und Weinhändler
und Stadtviertel, so runtergekommen
schön und lebendig, die ich noch
nirgendwo erlebt habe.
Zum ersten Mal das Gefühl,
in einer Großstadt zu leben.
Fehlt nur noch ein gutes Theater.

Was ich sonst mache?
Ich versuche den Erasmusdeutschen aus dem Weg
zu gehen. Aber manchmal ist es schwierig sich
selbst aus dem Weg zu gehen.

_bis auf weiteres
Denníz

16 September, 2007